Kläranlage wird erweitert
Nach einer längeren Zeit der Vorbereitung und Planung war es nun soweit: Mit einem symbolischen Spaten- respektive Baggerstich sowie vorangegangenen Reden von Oberbürgermeister Hofer, Bürgermeister Müller (Korb), von Vertretern der Vedewa und des ausführenden Generalunternehmers wurde am 11. Juli mit dem Erweiterungsbau der Gemeinschaftskläranlage Weinstadt/Korb begonnen.

Nach dem in Weinstadt nahezu abgeschlossenen Bau von Regenüberlaufbecken wird mit der Erweiterung der Kläranlage ein weiterer wesentlicher Umweltschritt zur Verbesserung der Güteklasse und Reinhaltung der Rems getan. Ziel des 20-Millionen-Vorhabens ist es, die Leistungsfähigkeit der an die Grenze ihrer Belastbarkeit angelangten Kläranlage zu optimieren, die Stickstoff- und Phosphatwerte im geklärten Abwasser unter neue Grenzwerte weiter abzubauen und nicht zuletzt bisher zeitweise entstandenden Geruchsbelästigungen der Umgebung zu begegnen.

Das Projekt entsteht auf einem Gelände nördlich der B 29 und wird durch einen unter der Bundesstraße mit einem lichten Durchmesser von 2,90 Metern hindurchführenden begehbaren Rohrkanal mit dem alten Teil des Klärwerks verbunden. Vorgesehen ist bei der Erweiterung der Bau eines neuen Belebungsbeckens mit vorgeschalteter Denitrifikationszone, eines zusätzlichen Nachklärbeckens sowie eines Maschinenhauses. Im bisherigen Kläranlagenbereich stehen der Umbau des Rechengebäudees mit Abluftwäsche, die Sanierung des Vorklärbeckens einschließlich Umhausung mit Abluftwäsche, der Umbau des Aeroaccelators, der Abbruch des Tropfkörpers sowie der Bau eines größeren Gasbehälters an. Maßnahmen zur Verminderung und Vermeidung von Geruchsemissionen nach dem neuesten Stand der Technik werden dort gleich parallel zur Erweiterung in Angriff genommen.

Die Fertigstellung der Erweiterungsanlage ist auf Ende 1998, die notwendigen technischen Änderungen in der bisherigen Anlage auf Ende Februar 1999 geplant. Der Erweiterungsbau der Kläranlage ist nach EG-weiter Ausschreibung und nichtoffenem Verfahren vom Gemeinderat komplett an die Hanauer Firma Roediger als Generalunternehmer vergeben worden.

Weil die Investitionen von rund 20 Millionen Mark, an denen die Gemeinde Korb zu einem Viertel beteiligt ist, den kommunalen Finanz- und Kreditrahmen sprengen würde, wurde bei dieser Klärwerkserweiterung mit der sogenannten »Forfaitierung« eine bislang weniger gebräuchliche Form der Finanzierung gewählt. Sie sieht vor, daß der Generalunternehmer neben der Bauleistung auch die Zwischenfinanzierung während der Bauzeit und die Endfinanzierung der Baumaßnahme übernimmt. Die Zahlungsverpflichtung der Kommunen setzt erst mit der Fertigstellung und Übergabe der Baumaßnahme ein und wird über einen Zeitraum von 20 Jahren verteilt. Der Generalunternehmer tritt seine Ansprüche gegen die Stadt auf Leistung der 240 Monatsraten an eine Bank ab, die wiederum in die Endfinanzierung zu Kommunalkredit-Konditionen eingebunden ist.

Die Vorteile dieser vom Stuttgarter Regierungspräsidium ausdrücklich genehmigten Finanzierungsart liegen darin begründet, daß die Stadt für die während der Bauzeit anfallenden Zinsen nicht in Vorleistung treten muß, die Bauzeiten wegen des Kostenfaktors »Bauzeitzinsen« optimiert wird und die langjährige Kreditlinie der Stadt Weinstadt, nämlich der Verzicht auf eine Neuverschuldung seit dem Jahr 1981, beibehalten werden kann.